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 Natur & Kultur (LabSaal Lübars) e.V.

 

    Malen und Zeichnen

MalgruppeSeit Anfang 1982 wird regelmäßig beim Natur & Kultur e.V. gemalt, skizziert und gezeichnet.
Jedefrau und Jedermann, die oder der Lust hat mit Pinsel und Farbe oder mit Stift und Feder zu hantieren, ist herzlich willkommen. Hin und wieder sehen wir uns Bilder anderer großer Meister und Meisterinnen an. Und einmal im Jahr geht es für ein paar Tage gemeinsam aufs bzw. ins Motiv, das heißt, in die Natur auf unsere traditionelle Malreise

Kontakt:

Malen und Zeichnen sind Tätigkeiten, die eine Verbindung von Handfertigkeit und Wahrnehmungsaktivität erfordern. Wahrnehmen und Tun, durch Tun wahrnehmen und auf der Grundlage von Wahrnehmungen tätig werden - das beides sind wesentliche Äußerungen menschlichen Lebens Überhaupt. Wenn Menschen in der Großstadt in unserer Überzivilisierten Zeit ohne äußeren Anlass, wie beispielsweise der einer beruflichen Qualifizierung oder einer Therapie, damit beginnen zu malen und zu zeichnen, dann wohl hauptsächlich deshalb, weil sie spüren, dass diese Tätigkeiten sie zu den Quellen menschlichen Daseins führen können. Wir haben oft an unseren Abenden Situationen erlebt, wo der eine oder andere und manchmal auch alle erfahren haben, dass sie die Gegenstände neu sehen, daß die bildliche Darstellung zu einer neuen Sichtweise führte. Dieses neue Sehen, was ja im Grunde nichts weiter ist als Sehen Überhaupt, die bewußte Wahrnehmung dieser Welt, ist wesentlicher Gewinn unserer Tätigkeit.

Die Entscheidung für den Malkurs enthält m. E. aber noch ein weiteres bedeutsames Motiv: den Widerstand gegen blinden Medienkonsum. Dieser Widerstand geschieht realiter schon dadurch, daß wir an den Abenden, an denen wir malen, nicht fernsehen. Darüber hinaus aber wird an jedem der Malabende erlebt, was aktive Wahrnehmung ist, die aus eigenen Kräften geschieht und aus persönlichen Motiven gespeist wird. Die selbständige Auseinandersetzung mit der Welt des Sichtbaren und die Entwicklung der eigenen Kräfte sind die besten Voraussetzungen für eine kritische Distanz zur Reizüberschwemmung durch die Medien.

Ohne Zweifel ist die kritische Auseinandersetzung mit dem Angebot der Medien, heute  nötiger denn je!  Das wird ohne radikale Distanz dazu kaum zu leisten sein. Es gibt zwar eine intellektuelle Kritik an den Medien, aber gegen die sinnliche Faszination und Verführung von Video, Fernsehen und Radio vermag sie nur wenig auszurichten. Hier hilft nur die grundsätzliche Verweigerung und die aktive Wahrnehmung eigener Bilder. Erst auf dieser Grundlage kann das Medienangebot selbständig beurteilt werden. Wer Über eigene Bildwahrnehmungen verfügt, ist weniger anfällig für Klischee-Bilder und Als-ob-Bedeutsamkeiten, wie sie uns täglich ins Haus geliefert werden.

Neben diesen beiden wichtigen Aspekten unserer Mal- und Zeichentätigkeit muß noch ein dritter wesentlicher Punkt genannt werden. Er ist in meinen Augen mindestens ebenso bedeutsam wie die beiden anderen. Jede Zeichnung und jede Malarbeit ist ein persönlicher Ausdruck. Es ist uns oft aufgefallen, daß die Werke eine typische Auffassung zeigen. Und die alten Hasen können vielen Arbeiten ansehen, von wem sie stammen. Das heißt doch aber, daß sich jeder von uns an dem Malabend sich selbst gegenübersteht. Wir haben es mehrmals erleben und die damit verbundene Betroffenheit bemerken können. Spätestens bei der Schlusskritik erlebt jeder Maler diese Auseinandersetzung mit sich selbst. Dieser Blick auf sich selbst, die damit gegebene Möglichkeit der Selbstreflexion, des zu sich selbst in Beziehung treten, ist in meinen Augen die wichtigste Chance des Zeichnen und Malens überhaupt. Wir erleben immer wieder, dass das nicht ohne Schmerzen abgeht "Mein Bild ist gar nicht so gut geworden wie ich wollte!" aber auch bestärkend und kräftigend wirken kann "Das habe ich gemacht? Sieht gar nicht so schlecht aus!". Wir lernen beim Malen etwas über uns selbst. Selbsterkenntnis aber ist das vornehmste Ziel menschlichen Lebens Überhaupt.

Ich habe hier nur die mir aus größeren Zusammenhängen heraus wichtigsten Aspekte unserer Tätigkeit angedeutet. Es wären noch viele andere positive Seiten erwähnenswert, wie beispielsweise die verschiedenen, den Verein unterstützenden, Aktivitäten, das Erlebnis einer gemeinschaftlichen Arbeitsatmosphäre trotz unserer individuellen Unterschiede, die Vermittlung vieler anderer künstlerischen und außerkünstlerischen Erfahrungen und Erlebnisse. Jeder von uns hat auch noch seine persönlichen Gründe, warum er bei uns mitmacht. Dort stecken weitere positive Aspekte unserer Arbeit.